Website-Relaunch & KI
Website im achten Jahr: Danke für den Tritt in den Hintern
Technisch war unsere Website gepflegt. Inhaltlich, visuell und in der Nutzerführung war sie im achten Jahr angekommen. Ein schonungslos kritischer Persona-Report gab den Anstoß für einen Relaunch, bei dem Radical Personas, ChatGPT, Codex und menschliche Entscheidungen jeweils eine andere Aufgabe übernahmen.
Für das Marketing der eigenen Firma hat man erstaunlicherweise fast nie Zeit.
Kundenprojekte haben Vorrang. Angebote müssen erstellt, Lösungen konzipiert und neue Technologien getestet werden. Das eigene Unternehmen läuft dabei oft einfach mit. Man nimmt sich regelmäßig vor, die Website zu überarbeiten, den Blog wieder stärker zu bespielen und die Positionierung zu schärfen.
Dann kommt das Tagesgeschäft.
Und plötzlich sind wieder einige Jahre vergangen.
Technisch aktuell, inhaltlich in die Jahre gekommen
Die StocKinger Consulting GmbH befindet sich inzwischen im achten Jahr. Wie schnell diese Zeit vergangen ist, merkte ich nicht zuletzt an unserer Website. Denn auch sie stammte im Wesentlichen aus der Anfangszeit des Unternehmens.
Technisch wurde sie selbstverständlich gepflegt. TYPO3 wurde regelmäßig aktualisiert – spätestens dann, wenn sich das Ende einer unterstützten Version näherte. Sicherheitsupdates, Systemwechsel und notwendige Anpassungen wurden erledigt.
Aber technische Wartung ist noch keine Weiterentwicklung.
Bei der Nutzerführung, der Darstellung unserer Leistungen, der visuellen Gestaltung und der inhaltlichen Positionierung wurde über die Jahre deutlich weniger verändert. Auch der Blog geriet zunehmend ins Hintertreffen. Viele Inhalte, die früher als Blogartikel erschienen wären, veröffentlichte ich stattdessen direkt auf LinkedIn.
Das war aus Sicht der Reichweite durchaus erfolgreich. Für die eigene Website bedeutete es allerdings Stillstand.
Dann kam Radical Personas
Dieser Tage zeigte mir ein Kollege sein neues Produkt: Radical Personas. Was lag näher, als das System sofort mit der eigenen Website zu testen?
Radical Personas positioniert sich als Werkzeug für frühes Marketing-, UX- und Produktfeedback. Inhalte werden aus der Perspektive synthetischer Personas bewertet. Das Ergebnis umfasst unter anderem Scores, Begründungen, Kommentare und einen PDF-Bericht.
Statt nur eine allgemeine KI-Antwort auf die Frage „Wie findest du diese Website?“ zu erhalten, bekommt man Rückmeldungen aus verschiedenen beruflichen, persönlichen und situativen Perspektiven.
Wichtig ist die seriöse Einordnung: Synthetische Personas können Hypothesen, frühes Feedback und neue Blickwinkel liefern. Sie ergänzen echte Nutzerforschung und Kundengespräche, ersetzen sie aber nicht.
Mit Pauken und Trompeten durchgefallen
Meine im achten Jahr befindliche Website fiel bei der Analyse mit Pauken und Trompeten durch.
Die Kritik betraf nicht nur die Optik. Die Personas hinterfragten unter anderem die Positionierung, die Verständlichkeit der Leistungen, die Beweisführung, die Nutzerführung und die Frage, weshalb sich ein potenzieller Kunde ausgerechnet für uns entscheiden sollte.
Manche Aussagen waren überspitzt. Andere taten ein wenig weh. Und bei einigen Punkten wollte mein erster Reflex widersprechen.
Nach kurzem Nachdenken musste ich allerdings feststellen: Ganz unrecht hatten die virtuellen Kritiker nicht.
Die Website zeigte zwar, was wir in den vergangenen Jahren gemacht hatten. Sie erklärte aber zu wenig, wofür die StocKinger Consulting GmbH heute steht. Gerade in den Bereichen KI, Automatisierung und intelligente Prozesslösungen hatte sich unser Leistungsportfolio deutlich schneller weiterentwickelt als unser Internetauftritt.
Die Website war damit nicht schlecht. Sie war schlicht nicht mehr aktuell genug.
Einfach alles neu machen wäre trotzdem falsch gewesen
Nun könnte man die alte Website kurzerhand löschen und vollständig neu beginnen. Das wäre allerdings ebenso unklug gewesen.
Die bestehende Website erzielt jeden Monat beachtliche Zugriffszahlen. Besonders einige ältere Blogartikel werden über Google regelmäßig gefunden. Manche dieser Beiträge beantworten sehr konkrete Fragen und haben sich über Jahre gute Positionen in den Suchergebnissen aufgebaut.
Diese Inhalte einfach zu entfernen, wäre digitale Wertvernichtung.
Alt ist nicht automatisch schlecht. Eine Website besteht nicht nur aus Design. Sie besitzt über die Jahre gewachsene Strukturen, URLs, Suchmaschinenpositionen, Verlinkungen und Inhalte. Ein optisch beeindruckender Neustart kann erheblichen Schaden verursachen, wenn diese Werte nicht berücksichtigt werden.
Die Aufgabe lautete daher nicht: „Mach alles neu.“ Sondern: „Bewahre, was funktioniert, und erneuere konsequent, was nicht mehr zur heutigen Positionierung passt.“
Vom schonungslosen Report zur konkreten Umsetzung
Den Bericht von Radical Personas habe ich anschließend in ChatGPT geladen und analysiert. Die Kritikpunkte wurden strukturiert, bewertet und in konkrete Maßnahmen übersetzt:
- Welche Aussagen waren tatsächlich relevant?
- Welche Punkte betrafen nur die Gestaltung?
- Wo fehlte Substanz oder nachvollziehbare Beweisführung?
- Welche bestehenden Inhalte und URLs mussten erhalten bleiben?
- Wie sollte die neue Website aufgebaut sein, damit sie unsere heutige Arbeit verständlicher vermittelt?
Danach erhielt Codex ein Duplikat der bestehenden Website. Die Aufgabe war klar: nicht auf der grünen Wiese beginnen, sondern das bestehende TYPO3-System gezielt weiterentwickeln. Inhalte, Seitenstrukturen und Suchmaschinenwerte sollten möglichst erhalten bleiben. Gleichzeitig mussten Gestaltung, Navigation, Texte und Positionierung grundlegend modernisiert werden.
Aus einem kritischen Persona-Report wurde damit eine Art Lastenheft für die Überarbeitung.
Der Ablauf zeigt zugleich, wie schnell ein sauber vorbereiteter Relaunch heute umgesetzt werden kann. Entscheidend war nicht blindes Tempo, sondern ein geschütztes Duplikat, klare Anforderungen, kleine überprüfbare Schritte und laufende Tests von URLs, SEO, Darstellung und Funktion.
Was sich konkret verändert hat
Das Ergebnis ist inzwischen auf www.stockinger.gmbh online. Es ist keine Website, die lediglich ein neues Farbschema oder größere Überschriften erhalten hat.
Die neue Seite bildet deutlich klarer ab, womit wir uns heute beschäftigen: KI-Sparring, intelligente Automatisierung, Software-Revision und Dokumentation, Workshops, Keynotes sowie die pragmatische Digitalisierung von Unternehmensprozessen.
Zu den sichtbaren und strukturellen Änderungen gehören unter anderem:
- eine klarere Positionierung bereits auf der Startseite,
- eine vereinfachte, responsive Navigation,
- anonymisierte Praxisbeispiele mit nachvollziehbarer Ausgangslage, Vorgehen, Lösung und Nutzen,
- eine modernisierte Methodenseite rund um Unternehmens-Enablement,
- eine bessere Suche und ein aufgewertetes Insights-Archiv,
- öffentliche Termine und Aufzeichnungen in einer eigenen Mediathek,
- eine mobile digitale Visitenkarte für QR-Codes bei Veranstaltungen,
- mehr Barrierefreiheit, bessere Performance und konsistente Gestaltung,
- sowie der bewusste Erhalt wichtiger bestehender URLs und Inhalte.
Auch ältere Beiträge und historische URLs blieben erreichbar. Denn ein Relaunch ist erst dann erfolgreich, wenn er nicht nur moderner aussieht, sondern vorhandenen digitalen Wert bewahrt.
Drei KI-Werkzeuge – drei unterschiedliche Rollen
Der Prozess zeigt, wie sich KI-Werkzeuge sinnvoll kombinieren lassen:
- Radical Personas lieferte kritische Perspektiven und machte blinde Flecken sichtbar.
- ChatGPT half, den umfangreichen Report zu strukturieren, Kritik zu priorisieren und daraus umsetzbare Arbeitspakete zu bilden.
- Codex unterstützte bei Analyse, TYPO3-Konfiguration, Inhaltspflege, Gestaltung, Migration und technischen Tests.
Der Mensch blieb dabei die entscheidende Instanz: Welche Kritik ist berechtigt? Welche Positionierung entspricht der tatsächlichen Arbeit? Welche Inhalte müssen erhalten bleiben? Welche Änderung ist technisch möglich, wirtschaftlich sinnvoll und für Besucher wirklich hilfreich?
Was ich aus dem Projekt mitnehme
Der wichtigste Effekt von Radical Personas war für mich nicht eine einzelne Empfehlung. Es war der Perspektivenwechsel.
Wer eine Website selbst erstellt oder über Jahre betreut, kennt jede Formulierung, jede Unterseite und jede Entscheidung dahinter. Dadurch verliert man leicht den Blick eines neuen Besuchers. Man liest nicht mehr, was tatsächlich auf der Seite steht. Man liest, was man damals damit ausdrücken wollte.
Genau hier können synthetische Personas wertvolles Sparring liefern. Sie ersetzen keine echten Kundengespräche und keine realen Nutzertests. Aber sie können schnell auf Widersprüche, unklare Botschaften und blinde Flecken hinweisen. Vor allem stellen sie Fragen, denen man selbst gerne ausweicht.
Danke für den notwendigen Tritt
Marketing für das eigene Unternehmen wird vermutlich auch künftig immer wieder hinter Kundenprojekten zurückstehen.
Aber manchmal braucht es einen externen Impuls, damit aus „Das sollten wir irgendwann überarbeiten“ ein konkretes Projekt wird.
In diesem Sinne vielen Dank an das Team von Radical Personas für den durchaus kräftigen Tritt in den Hintern.
Er war notwendig.
Und rückblickend betrachtet auch ziemlich wirkungsvoll.